Hier/Früher. Oder: Die Geschichte unseres Hofes.

Zeitreisen finden hier ja häufiger statt. Nur heute ist es wohl tatsächlich eine! Dass wir hier auf dem Lande wohnen, hab ich ja an der einen oder anderen Stelle schon erzählt. Heute vervollständige ich die Geschichte unseres Hofes etwas und lade euch auf eine kleine Reise in die Vergangenheit ein!

Es sind mittlerweile fast fünf Jahre, die wir hier leben. Irgendwie ist es passiert, wir haben uns mit dem Gedanken angefreundet, der Stadt den Rücken zu zeigen und es einfach gemacht. Wir haben uns entschlossen, auf einen Hof zu ziehen, zu dem vier Gebäude gehören, dazu mehrere Gärten, Wiesen, Weiden. Und wir haben uns dazu entschlossen, hier Dinge zu verändern und verbringen viel Zeit damit. Was uns dabei wichtig ist? Immer auch zu sehen, wie Dinge hier früher waren, womit gestaltet wurde und einen Weg zu finden, der Vergangenes und Neues gut verbindet.

Früher – darauf wollte ich ja eigentlich hinaus!

Früher lebten hier meine Vorfahren. Knapp hundert Jahre etwa. Wer die Vorbesitzer des Hofes waren und wer ihn errichtet hat, ist nicht ganz klar. Vielleicht kann ich es eines Tages noch herausfinden. Mein Urgroßvater kaufte wohl gegen Ende des 19. Jahrhunderts Hof und Land – und gestaltete einiges um – soviel können wir noch nachvollziehen.

Mit dem Hof haben wir auch ziemlich viele Kisten voller Geschichten und Erinnerungen übernommen und nach und nach ans Tageslicht geholt. Darunter Fotografien – einige besser erhalten, andere schlechter. Darüber bin ich sehr froh, denn so können wir sehen, wie das Leben hier früher war. Wie Dinge aussahen, wie gearbeitet wurde, wie gelebt wurde. Sie helfen orientieren und bleiben irgendwie doch im Hinterkopf, wenn wir hier Dinge verändern…

Dieses Foto ist wahrscheinlich eines der ältesten, das mir in die Hände gefallen ist. Hier sieht man zum Beispiel die frühere Fensteranordnung, die wir wieder hegestellt haben. Natürlich sieht man auch Menschen, von denen ich auf diesem Bild jedoch nicht sicher bin, wer sie eigentlich sind. Wahrscheinlich sind es die Vorbesitzer – ein Familienbild mit einer Amme vielleicht?

Generationen

Meine Urgroßeltern waren Landwirte, meine Großeltern dann eher Selbstversorger und anderweitig tätig, die Geschichte hat dann ihren Teil zu dieser Entwicklung beigetragen… die Generation danach entschied sich, anders zu leben und der Hof wurde nicht mehr gepflegt. Bevor wir hierher kamen, stand er auch ein paar Jahre leer.

Ich hätte im Leben nicht daran geglaubt, dass ich dieses wunderschöne Fleckchen Erde einmal bewohnen würde. Das mag vielleicht kitschig klingen, ist aber wahrscheinlich das beste, was uns passieren konnte. So ist es nun. Wir sind froh, diesen Schritt gewagt zu haben und genießen die Ruhe, den Platz und die Möglichkeiten. Aber ja, es gibt sie auch – die Momente, wo alles viel wird und uns Unkraut, Baustaub und Alltag über den Kopf wachsen. Nur ist das wahrscheinlich Teil des Lebens und ereilt die meisten von uns…

Leben und Arbeiten

Diese Ochsenkarren finde ich beeindruckend… Generell denke ich, dass das Leben der Landwirte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts um einiges beschwerlicher war als heute. Wir haben hier so viele Rechen, Sensen, Heugabeln gefunden! Dazu eine Werkstatt, wo alles hölzerne repariert wurde. Das war früher einfach alles Handarbeit!

Hier sieht man im Hintergrund so viele Bäume! Davon ist heute genau noch einer übrig, der in die Jahre gekommen und nicht mehr gesund ist. Für uns war es Motivation genug, mit dem Pflanzen anzufangen. 2018 war das – die Trockenheit hat den Bäumen und Büschen zwar zugesetzt, aber es wird über kurz oder lang eine riesengroße grüne Hecke entstehen. Darauf freue ich mich und plane außerdem schon die nächsten Bäume, die hier noch in die Erde kommen werden.

Kartoffeln bauen wir übrigens auch an – nur ohne die Hilfe von einem Pferd und in kleinerem Stil. Hoffentlich können wir in diesem Jahr wieder genügend einlagern. Zumindest bis jetzt sehen die Pflanzen gut aus – nur die gruseligen Kartoffelkäfer sind natürlich wieder mit dabei… Aber das ist eine andere Geschichte, denn ums Gärtnern soll es hier ausnahmsweise mal nicht gehen.

Von Toren und Tieren

Das Tor war mal ein echtes Schmuckstück – glaube ich. Davor ein Walnussbaum. Unser jetziges Tor spottet tatsächlich jeder Beschreibung. Ein paar zusammengezimmerte Latten, gehalten von wackeligen Sandsteinsäulen. Seit Jahren wurde es nicht mehr geschlossen, die Säulen müssten dringend gerettet werden. Momentan liegen unsere Prioritäten jedoch erstmal anders, so dass die Aufarbeitung wohl eher in den Sternen steht.

Gelernt habe ich, dass die Kugeln auf den Torsäulen typisch für die Region hier sind. Leider haben wir die hiesigen noch nicht unter den Fundstücken entdeckt, was ich sehr schade finde, denn sie sind ein charakteristisches Element solcher Tore.

Natürlich gab es in der Vergangenheit jede Menge Tiere hier auf dem Hof. Pferde, Kühe, Hühner, Schafe. Ganz besonders hab ich mich über die Hühnerfotos gefreut – wie konnte es auch anders sein? Und wenn ich es richtig sehe, so sieht man wohl rebhuhnfarbige Italiener [Rasse der Hühner]. Keine Spur von irgendwelchen Legerassen, denn es war einfach noch nicht die Zeit und die Tierhaltung noch wenig industriealisiert. [Wie kann so etwas nur zusammengehen??]

Hier also jetzt noch ein paar Eindrücke des Hoflebens. Wie gesagt, Hühner sind immer hier gewesen. So auch Schafe und sicher auch einige Katzen, später noch ein Hund.

Schnee, im Winter Kohlen schleppen, keine Spur von Unkraut auf dem wertvollen Granitpflaster, überall Hühner. Heute stimmt nur noch letzteres. Es ist eine andere Zeit. Wir leben hier, fahren auswärts zum Arbeiten, betreiben keine Landwirtschaft – gärtnern vielleicht hier und da und halten Schafe. Der Unterschied ist doch groß und der Platz wahrscheinlich zu viel! Geheizt wird [leider noch] mit Öl – später werden wir vielleicht wieder den ein oder anderen Korb mit Holzscheiten schleppen…

Diese riesige Scheune ist eine Geschichte für sich. In den 1920ern wurde sie sogar noch vergrößert – quasi eine Etage drauf gesetzt. Sie hat uns schon so einige Sorgen bereitet: weggeflogene Dachziegel, morsche Balken. Aber sie birgt so viel Potential und in jeder Ecke lauerten und lauern Schätze. Leider auch echt viel Müll und uraltes Stroh und Heu, für dessen Entsorgung schon so mancher Taler und viele Schweißperlen rollten. Nun ja, wir haben letztes Jahr eine Rose an die Fassade gesetzt – die sieht nämlich längst nicht mehr so schmuck aus…

So, genug der Zeitreise! Geschichte und Vergangenes wird es hier bestimmt wieder geben. So lange ich hier analog unterwegs bin, ist das zumindest sicher! ^^

Schreibe einen Kommentar

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.